Ministry
25 years of politically motivated industrial madness!


Über eine Gruppe wie Ministry braucht man nur wenige Worte zu verlieren. Sie zählen zu den Gründervätern des U.S.-Industrial-Rock, und werden von Megastars, wie z.B. Trent Reznor von Nine Inch Nails, als ihr wichtigster musikalischer Einfluss genannt. In ihrer nunmehr bereits ein Vierteljahrhundert währenden Karriere hat diese Band Musikgeschichte geschrieben, und wurde zum Vorreiter für ein ganzes Genre. Wo andere Bands nach so langer Zeit zumeist dazu tendieren, seichter und gefälliger zu werden, ist bei Ministry genau das Gegenteil zu beobachten: je älter die Band wird, desto kompromissloser und brutaler entwickelt sich ihr Sound. Anlässlich der Veröffentlichung einer umfassenden Werkschau zum 25. Jubiläum konnte ich einen Phoner mit dem Gründer und Kopf der Gruppe, Al Jourgensen, führen, der sich als freundliche Plaudertasche entpuppte … und allerlei Dinge zu berichten hatte … natürlich nicht, ohne in herzerfrischender Weise über den derzeit amtierenden U.S.-Präsidenten und seinen Familienclan herzuziehen. Denn eines haben sich Ministry seit ihrem Anbeginn auf die Fahnen geschrieben: ihre politische Stimme zu erheben und Rockmusik als Medium der Veränderung zu nutzen.

Etoile: Mir kommt es so vor, als ob ihr mit jedem Album aggressiver werdet. Liegt das an der derzeitigen politischen Situation in eurem Land?
Jourgensen: Ich hasse die Familie Bush wirklich aus tiefstem Herzen! Ihre gesamte Geschichte ist geprägt von Korruption und Arroganz - es ist einfach widerlich! Das fing schon lange vor George Herbert Bush an (der erste Bush im Präsidentenamt), dessen Vater war nämlich Gouverneur von Maine … die ganze Familie ist schon seit langer Zeit korrupt und böse … und ich hasse sie alle!
Etoile: Was hältst du von Bushs derzeitiger Unfähigkeit, die Krise, die Hurricane Katrina hinterlassen hat, zu managen?
Jourgensen: Es ist schon komisch, dass wir es geschafft haben, die Tsunami-Opfer von Banda Ace innerhalb von zwei Tagen mit Hilfsgütern zu versorgen, und das in unserem eigenen Land erst nach fünf Tagen hinbekommen…es macht keinen Sinn. Und nicht nur das… dieser Bush war zu diesem Zeitpunkt im Urlaub - kein anderer Präsident hat sich bis dato so viele Urlaubstage gegönnt, wie dieser - und hat diesen noch nicht einmal abgebrochen, nachdem der Hurricane New Orleans getroffen hat. Erst am Mittwoch hat er sich dann dazu bequemt. Der Typ ist einfach ein verdammter Idiot… (lacht).
Etoile: Meinst du, dass Rockmusik als Mittel politischer Einflussnahme taugt?
Jourgensen: Es ist ein riesiges Forum und es gibt dadurch wahrscheinlich viele Leute, die dadurch Positionen respektieren, die sie eigentlich nicht respektieren sollten. Aber ich erhebe meine Stimme auch nicht als Rockmusiker, sondern als besorgter Weltbürger. Musik ist zwar ein starkes Forum, aber ich äußere mich nicht der Musik willen politisch.
Etoile: Findest du, dass Rockmusik politisch sein sollte?
Jourgensen: Ich finde, dass jeder Künstler das tun sollte, womit er sich selbst am wohlsten fühlt. Es gibt Leute, die interessieren sich nicht für Politik, sondern wollen nur ihre quälende Liebesangst nach außen kehren. Das ist OK… es muss sich nicht alles um Politik drehen. Wenn du dich allerdings damit gut fühlst und informiert bist, dann kannst du es auch einbringen. Schlussendlich bist du auch nur ein Bürger, wie jeder andere auch.
Etoile: Der Titel eurer Jubiläums-Werkschau setzt sich aus „Anthology“ und „Rant“ (Engl. Rumgemeckere) zusammen. Warum gerade dieser Titel?
Jourgensen: Ich scheine eine Veranlagung für Wortspielchen zu haben. Ich liebe es, Dinge zu verdrehen… so wie „Dark Side of the Spoon“ oder „The Land of Rape and Honey“… das ist mein vokabularischer Stil.
Etoile: Ich habe das Gefühl, dass mehr Bush-Samples in den überarbeiteten Stücken sind, als in den Originalversionen. Liege ich richtig?
Jourgensen: Das siehst du schon sehr richtig. Aber warte erst auf die neue Ministry-Scheibe, „Rio Grande Blood“, die wird das härteste Anti-Bush-Statement, das je ein Mensch veröffentlicht hat. Wir sind nicht die Dixie-Chicks, die den Schwanz einziehen, weil sie nach einem Statement gegen die Obrigkeit plötzlich von der Konservative gedisst werden. Ich werde das auch nicht zurücknehmen, und mich kleinlaut entschuldigen, wenn man mich dafür angreift. Ich will dem Typen an die Kehle gehen! Ich hasse ihn wirklich!
Etoile: Hast du aufgrund deiner sehr offen politischen Attitüde contra Bush schon irgendwelche Repressalien erdulden müssen? Es herrscht ja schon irgendwie ein Klima der Einschüchterung in Bezug auf Gegenstimmen, seit Bush ans Ruder gelangt ist…
Jourgensen: Ich hatte mich schon beim letzten Album seelisch darauf eingestellt, weil ich ihnen da bereits richtig eins reingebraten habe. Ich war also vorbereitet, dass irgend etwas passieren würde, und siehe da… kaum eine Woche nach Tourneestart erhielt ich plötzlich die Notiz über eine Steuerprüfung. Wir waren allerdings gut darauf vorbereitet und hatten unsere Steuererklärungen vorbildlich gemacht, sodass sie uns nichts konnten. Aber ist schon recht komisch, dass, kurz nachdem man seine Stimme gegen die Regierung erhebt, diese plötzlich zur Steuerprüfung vorlädt.
Etoile: Es sind drei live-Stücke auf „Rantology“ - gab es irgendwelche speziellen Gründe, warum Du gerade diese ausgewählt hast?
Jourgensen: Die Auswahl der live-Stücke habe ich im Großen und Ganzen der Plattenfirma überlassen. Die haben diese dann wahrscheinlich für besonders gut befunden. Zu der Zeit, als ich diese Stücke gespielt habe, wusste ich wahrscheinlich gar nicht einmal, wo ich war (lacht).
Etoile: OK… was war denn das Seltsamste, das euch jemals auf Tour passiert ist?
Jourgensen: … das ist dann wohl die berühmte „Ministry sprengen ihren Tourbus in die Luft“-Geschichte (lacht). Das war wirklich seltsam… wir haben professionelles Bühnenfeuerwerk in unserem Bus gezündet, während dieser den Highway herunterfuhr. Es war dann alles voller Rauch und mehrfarbigem Feuer! Ich meine, das war ein gottverdammtes professionelles Feuerwerk, das ein Piratenschiff in den Himmel projizieren sollte. Plötzlich stoben rote, grüne und blaue Funken durch den Bus und der Fahrer musste sehr schnell rechts ranfahren. Er hat uns dann die Polizei auf den Hals gehetzt. Das war WIRKLICH verrückt (lacht).
Etoile: Ist das neue Stück, „The Great Satan“, repräsentativ dafür, was uns auf der kommenden Ministry-Scheibe erwarten wird?
Jourgensen: Naja… das Lied wird sozusagen die Schmuseballade des Albums (lacht).
Etoile: Gibt es schon einen Erscheinungstermin für das neue Ministry-Album?
Jourgensen: Es wird am 1. April 2006 in die Läden kommen…

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martin kasprzak


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