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The Human Elephant
 Beim Motiv des Human Elephant muss man sich keinen Porzellanladen vorstellen - dieser Name geht zurück auf die Geburt eines Elefantenbabies im Tierpark Berlin, die Rolle des Tieres in der buddhistischen Religion und die Figur des Elefantenmenschen. Der Human Elephant (John E. Donald (voc., git.), Jan Kucharski (dr.), Suska Lovestar (keyb.)) bewegt sich im immer noch existenten Underground von Berlin-Mitte und spielt eine Mischung aus Wave und Neofolk, die an Joy Division erinnert. Um Euch weitere krude Bilder wie das eingangs bemühte zu ersparen, kommt Sänger und Gründer John E. Donald an dieser Stelle selbst zu Wort.
Etoile: Im Pressetext über The Human Elephant steht, dass Du "nach einer wilden Jugend zwischen Hardcore und Streetfights" Chicago in Richtung Europa verlassen hast. Da hast Du ja musikalisch eine Wandlung vollzogen. Warst Du früher ein wütender und aggressiver Mensch? Heute wirkst Du eher introvertiert und Deine Musik melancholisch und ein bisschen resigniert.
John: Musikalisch ist meine Wandlung dadurch entstanden, dass ich Joy Division kennengelernt habe. Tatsächlich war ich in der Hardcore-Szene, man kann immer noch eine rare 7“ von verschiedenen Punk/Hardcore-Gruppen aus dem Chicago-Umfeld kaufen, auf der ich drauf bin, inklusive Foto mit meiner Gruppe, als ich nur 13 Jahre alt war. Die Geschichte ist: Ich war auf einer Green Day-Show, als sie wirklich erst zusammen waren, ich habe da jemanden (einen damaligen "Feind“ von mir) zusammengeschlagen. Auf der nächsten Show hat sich mir jemand als Freundin dieser Person vorgestellt, und die ist später meine beste Freundin geworden und durch sie habe ich erst Joy Division kennengelernt und dann später die für mich auch super beeinflussenden Legendary Pink Dots. Da habe ich mit meiner Hardcore-Gruppe gebrochen und angefangen, mich sehr für New Wave/dunkle Musik zu interessieren.
Spirituell ist diese Wandlung für mich später durch ein buddhistisches
Buch vollzogen worden - zufällig oder vorbestimmt, wie man es sehen mag.
Das stimmt, dass ich manchmal auf der Bühne resigniert wirke. Die Gründe dafür sind verschiedene: Erstens hat man eigentlich immer technisch zu tun auf der Bühne, mit irgendwelchen Klängen (oder Soundmännern!), die sich nicht benehmen wollen. Das nervt. Aber man muss sich geschlagen geben, and the show must go on... Zweitens ist die Musik sehr rhythmisch bestimmt und man würde gerne losreißen, aber man hat die ganze Gruppe hinter sich, wofür man auch Verantwortung trägt. Wenn man mich solo auf der Akustikgitarre oder in meiner elektronischen Gruppe „Like Plankton For The Elephant“ sehen würde, hätte man eine andere Meinung davon, ob es agressiv oder resigniert ist. Die Energie in beiden wirkt eher punk und sehr Intensiv; gerade wenn ich allein spiele oder weniger Verantwortung trage (weil ich nur singe bei LPFTE), kann ich mehr loslassen... Meine Gitarren sehen auch sehr mitgenommen aus. Die Saiten reißen sehr oft, sie haben Kratzer durch die Wucht meiner Schläge (auch ohne Plektron), die Abnehmer fallen ins Korpus, die Brücken verschieben sich; und manchmal kostet es 60 Euro, nur eine Gitarre fit zu machen für einen Auftritt inklusive Saitenwechsel für Proben und das Konzert. Man müsste sich fragen, ob ich wirklich so resigniert bin wie ich wirke.
E:. Du bist im "Bad Kleinen"-Umfeld bekannter geworden. Warst Du mit Deiner Musik inmitten einer tendenziell extrovertierten/exzessiven Partycrowd nicht eine Art Fremdkörper, ein Exot - zu dunkel, zu depressiv?
J: Ich wurde eigentlich immer sehr gut aufgenommen bei ihnen, schon im ersten "Bad Kleinen" in der Rochstraße. Bin auch auf jeder Veröffentlichung, die sie produziert haben und fühle mich da fast heimisch. Vielleicht wird das Negative bei ihnen mehr nach außen getragen. Die Symbole sind schon ziemlich dunkel; da würde ich nicht sagen, dass es so abwegig ist.
E: Viele Künstler, vor allem aus Übersee, ziehen nach Berlin. Was magst
Du ausgerechnet an dieser Stadt? Anderswo in Europa ist es doch auch ganz schön.
J: Was ich mag, ist vielleicht anders als das, was die anderen mögen. Ich habe darüber auch gesungen, im ersten Lied auf LPFTE, „Ticket“: „Hate when Americans say they live here because it's cheap“. Na gut, es sind auch andere hier, abgesehen von meinen Landsleuten. Ich persönlich bin aber wegen der Liebe gekommen, nach einem langen Aufenthalt in einem buddhistischen Kloster in Italien. Ich habe nur rumgebummelt und gefickt in Schöneberg und gar nicht kapiert, dass Berlin „hip“ war. Als ich 2000 kam, waren da eigentlich wenig Amerikaner, und die, die ich getroffen habe, waren eher Überbleibsel vom Militärdienst in Westberlin. Ich bin ausgesprochen wenig nach „Ost-Berlin" gekommen, nur manchmal um eine Show zu spielen, die mir Ran Huber (der ein Familienfreund meiner damalige Freundin ist) organisiert hat und habe den Teil der Stadt gar nicht gemocht. Es hatte eben das, was ich schon von Chicago kannte: kalte Atmosphäre, große Gebäude. Was mich eher angezogen hat, war, dass die Stadt einfach ruhiger ist als Chicago, und man hatte mehr Zeit für die Liebe. Da war ich immer erstaunt, nachdem ich einen Tag mit jemandem verbracht hatte, dass mich gar niemand belästigt hat an dem Tag.
Ich mag auch andere Teile Europas schon lieber, aber Berlin hat eine gute Mischung aus einem Ort, an dem man (zumindest früher) eine Arbeit finden und seine Kunst (bzw. Lebenskünste) in einer ziemlich offenen, nonkonventionellen Atmosphäre mit Gleichgesinnten ausleben kann; man kann sich hier entwickeln. Die dunkle Seite ist eben, dass es einem ziemlich dreckig gehen kann, mit dem, was man hier verdient. Und wie man Geld ausgibt, ist nicht zu vergleichen mit vielen anderen Städten. Und es ist nach einem Aufenthalt hier schwierig, sich wieder andere Städte/Länder/Reisen zu leisten, kombiniert mit den Tendenzen zum hohen Alkoholkonsum und Bars, die lange aufbleiben. Mit Künstlerfreunden, die gratis ausschenken, kann Berlin schon ein Loch werden; man kann hier stagnieren.
E: Wie überlebst Du hier (materiell)? Von Musik?
J: Ich arbeite an der Garderobe im Kaffee Burger.
E: Von The Human Elephant ist gerade eine 7'' erschienen (Terrorist/The Human Elephant bei amSTARt-Tortenversand/Hausmusik/deli.kolder). Sind
weitere Veröffentlichungen geplant oder spielt Ihr lieber sporadisch live?
J: Wir nehmen demnächst eine Platte auf und hoffen und gucken, dass sie jemand herausbringt.
Am 30. November tritt John E. Donald bei der dritten Songwriternacht im Roten Salon auf, die von amSTARt präsentiert wird.
Thomas
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