Dust Of Basement
Die Berliner Synthie-Institution


Interview mit Macher Sven Wolff zur neuen CD „Meridian“ (Trisol/Soulffod)


Etoile: Gerade erschien eure neue Best Of-CD „Meridian“. Große Club-Hits, die sich aufdrängen, existieren von DOB ja eigentlich nicht. Siehst du das auch so? Falls ja, wo denkst du, liegen die Gründe für die fehlenden Club-Hits? Selbst größten Schrottbands gelang im Underground schon häufig ein Tanzflächenfüller.

Sven: Es ist schade, dass der Erfolg einer Band unserer Richtung immer nur an der Anzahl im Club gespielter Tracks gemessen wird. Ich selbst würde mich nicht als Tänzer bezeichnen und sehe unsere Musik folglich auch nicht als Clubmusik. Bands wie Chandeen oder La Floa Maldita würde ich durchaus als erfolgreich bezeichnen, obwohl ich diese Bands noch nie in irgendeiner Disco gehört habe. Es ist wichtig, Erfolg für sich persönlich zu definieren. Ich selbst kann mich an reinen Zahlen, wie hohen Kontoständen, Chartplatzierungen oder Anzahl von Discoeinsätzen nicht übermäßig erfreuen. Umso mehr bedeutet es mir, zu wissen, dass unsere Musik ein wichtiger Teil im Leben unserer Fans ist.

E: Vor einiger Zeit erschien ja schon einmal eine Art Best Of-CD von euch; auch als Doppel-CD ("Five Become Two"). Bei der Tracklist beider CDs gibt es ja ein paar Überschneidungen.

S: Beide CDs tragen den Untertitel "Best Of". Tracks die zu "Five Become Two" Zeiten gut waren, sind ja inzwischen ja nicht auf einmal schlecht geworden. Songs, wie "Don´t Forget Desire" und "Create The Silence" zählen nach wie vor zu meinen Lieblings DOB-Tracks. "Meridian" löst "Five Become Two", die ja schon seit einiger Zeit nicht mehr erhältlich ist, ab, zeigt jedoch auch, dass wir inzwischen weitergekommen sind.

E: Abgesehen vom diesmal wirklich grandiosen Artwork, wo siehst du die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden CDs?

S: Im Gegensatz zu "Meridain" dokumentierte "Five Become Two" auch unsere, zugegebenermaßen, teilweise recht trashigen und experimentellen Anfänge, wodurch sich eine sehr große Bandbreite verschiedener Stile ergab. "Meridian" verzichtet zugunsten einer durchgängigen Linie auf diese frühen Tracks. Aus diesem Grund haben wir uns auch entschieden, von Axel oder mir gesungene Tracks nicht auf "Meridian" mit draufzunehmen. Als wir die CD dann zusammengestellt hatten, war ich selbst überrascht, wie kompakt "Meridian" im Gegensatz zur alten Best Of geworden ist.

E: Gab es eigentlich Reaktionen auf den untypischen Italo Dance-Song "Summer", den du auf "Five Become Two" selbst eingesungen hast?

S: "Summer" war immer das Highlight bei früheren Konzerten - ein typischer Partysong eben. Es ist eigentlich kein Geheimnis, dass ich ein großer Fan des frühen Italopop, der ja auch viele schon typische Synthpop-Elemente enthielt, bin. Leider hatte ich diese Musik für viele Jahre vollkommen vergessen. Paradoxer Weise entdeckte ich diese "düstere" Seite in mir vor einigen Jahren, ausgerechnet auf der Fahrt zum Wave-Gotik-Treffen wieder, als jemand eine Compilation mit lauter Italopop-Perlen ins Autoradio einlegte.

E: Auch auf "Meridian" tauchen die beiden alten DOB-Sänger noch immer mit Bild auf. Was kommen da für Gefühle bei dir auf? Bestehen da noch Kontakte?

S: Alle Members hatten einen entscheidenden Einfluss auf unsere Musik. Der Kontakt zu Axel ist zwar nahezu völlig abgebrochen, aber ich möchte unsere gemeinsamen Jahre nicht missen. Zu M.S. habe ich inzwischen wieder etwas besseren Kontakt. Ich denke, er respektiert unsere Musik nach wie vor und er ist auch ein wenig stolz auf seinen damaligen Beitrag.

E: Seit Anfang an benutzt ihr als wichtigstes Stilelement den wechselhaften Gesang von elfenhaften Frauenstimmen und düsteren männlichen Vocals. Etwas provokant gefragt: glaubst du nicht, dass gerade dies in der Gothic-Szene ziemlich out ist? Bands wie Inside oder Regenerator konnten sich damit nie richtig durchsetzen. Und auch deine alten Helden Die Form sind mit dem Konzept längst nicht mehr so erfolgreich wie noch vor ca. zehn Jahren.

S: Es interessiert mich eigentlich eher wenig, ob jemand anderes mit einem bestimmten Stilmittel Erfolg hat. Entscheidend ist es, aus der Kombination verschiedenster Elemente einen eigenen Stil zu finden. Ich persönlich finde es sehr interessant mit gegensätzlichen Gesangsparts zu arbeiten. Unsere Musik verkauft sich über die Musik an sich, und nicht über irgendwelche Trends oder Klischees. Zur Zeit ist ja alles hart, laut und extrem. Melodien sind eher unwichtig geworden, aber ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige bin, der von Musik mehr als Gebummse und Gebrülle erwartet. Sich diesen Trends nicht fügen zu müssen, bezeichne ich auch als eine Art Erfolg!

E: Wo wir schon beim Thema "Frauen" sind: Was hat es mit der Zusammenarbeit mit Sara Noxx auf sich?

S: Ich kenne Sara schon eine ganze Weile und ich mag ihre Stimme sehr. Daraus entstand irgendwann einmal die Idee, ein gemeinsames Projekt anzugehen. So schickte ich ihr dann einige meiner Demotracks. Als ich diese einfachen Rohversionen dann in Kombination mit ihrem Gesang hörte, war klar, dass wir ein neues Projekt gründen und ich wusste sofort, in welche Richtung es wird. Die komplette Aufnahme des Essex-Albums war dann in wenigen Wochen abgeschlossen. Wann und wo das Projekt veröffentlicht wird, kann ich aber noch nicht sagen.

E: Eine allgemeinere Frage zu euren zahlreichen Gigs. Obwohl ihr besonders in den letzten Jahren immer erfolgreicher wurdet, kam eigentlich nie eine richtige D.O.B-Tour zustande. Teilst du meine Meinung, wenn ich sage, dass in der Wave/Gothic-Szene so etwas wie ein Mittelbau wegbricht? Die großen Acts werden genau wie ihre Konzerthallen immer größer - Für die kleineren, gar nicht mal unbekannten Bands lohnt es sich kaum noch, auf Tour zu gehen; schon gar nicht unter der Woche.

S: Das sehe ich ähnlich. Leider ist die breite Masse nicht sonderlich interessiert an unbekannteren Bands. Sie zieht es vor, sich die etablierten Bands immer und immer wieder anzusehen. Neue Bands haben es da schwer und müssen schon gewaltigen Aufwand betreiben, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Musik verliert immer mehr an Bedeutung und viele sind einfach nicht mehr bereit, selber Zeit für die Suche nach guter Musik aufzubringen.

E: Abschließend: Sag mal, wie kann das sein, dass du als Electro- und auch 80er-Jahre-Fan Depeche Mode nicht sonderlich gerne magst?

S: Naja, das stimmt eigentlich nicht. Ich mochte die alten DM-Platten sehr gerne und habe mich seinerzeit auch als überaus großen Fan der Band bezeichnet. Ich sage auch, dass mich DM musikalisch sehr geprägt hat und Dust Of Basement ohne diesen Einfluss sicher anders klingen würde. Nur war das alles vor 15 Jahren! Die Synthpop-Zeiten sind bei DM längst vorbei. Die aktuellen CDs sind meiner Meinung nach eher den Produzenten zuzuschreiben; für deren andere Projekte sich merkwürdiger Weise kein DM-Fan interessiert. Deshalb kann ich mit den neueren CDs nicht viel anfangen und dass einem inzwischen sogar die alten Sachen zum Hals raushängen, ist wohl den tausenden DM-Parties zu verdanken.

E: Jetzt wissen wir, dass und warum du Dave & Co. heute nicht unbedingt liebst. Aber was hörst du selbst wirklich gerne - besonders zur Zeit?

S: In meiner persönlichen Toplist stehen momentan Mind.In.A.Box, Schiller und Melotron ganz oben.


uwe


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