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The Rorschach Garden ... und ihre japanischen Freunde
 Interview mit dem westdeutschen Electro-Trio, mit allen Membern: Babsy, Natascha & Philipp. Das neue Album "Our Japanese Friends“ steht seit November in den Shops.
Etoile: Was verbirgt sich hinter dem Titel des Albums? Ein Track mit dem exakt gleichen Namen existiert ja nicht. Hört euer Zeug in Japan überhaupt jemand? 80er-Elektronik wie Der Plan soll ja dort recht populär sein.
Philipp: Ob unsere Musik in Japan bekannt ist, weiß ich auch nicht. Der Titel ist eine dicke Hommage an unsere geliebten Analogsynths, die überwiegend aus Japan stammen. Denk’ an Korg, Roland, Yamaha und Casio und dann hast Du schon die vier großen japanischen Synthie-Hersteller. Von diesem Zeug hat sich mittlerweile doch das ein oder andere Schätzchen auch zu uns verirrt.
E: Ein paar Songs auf dem neuen Album klingen diesmal von den Sounds her (ganz im Gegensatz zum Debüt) etwas nach eurem Hit "State Protection"; z. B. "Searching For Perfection“. Wolltet ihr vielleicht bewusst noch mal etwas in diese Richtung produzieren?
P: Das sehe ich aber anders. Musik, Sounds und auch der Text drücken etwas völlig anderes aus. Man kann ein Lied nicht zweimal schreiben. Beim ersten Mal ist es Glück, beim zweiten Mal dann Berechnung und das eigentliche Gefühl geht dabei verloren. Deshalb ist es langweilig, sich immer wieder selbst zu zitieren, zumindest, wenn dies bewusst geschieht. Unsere Musik entsteht aber in einem homogenen Kontext und deshalb sind gewisse Ähnlichkeiten nicht ganz von der Hand zu weisen. Das liegt aber in der Sache und taucht auch bei 99.9% aller Bands auf.
E: Besonders "Re-Sist“ und "Privat Games“ besitzen ziemlich kämpferische Lyrics. Glaubst du im Grunde nicht, dass man die Texte eher für sich selbst schreibt (besonders im musikalischen Underground). Oder denkst du, dass man durch Texte wirklich etwas verändern kann? Andersrum gefragt, glaubst du, dass sich die Hörer mit den Texten und Aussagen von TRG wirklich auseinandersetzen?
P: Das Angebot, sich damit auseinander zu setzen, ist auf jeden Fall da. Und ich würde mir das auch ein wenig wünschen. Ob es auch irgendwie genutzt wird, steht nicht in meiner Macht. Meine Texte beziehen sich oft auf Sachen, die mir im Kopf rumgehen und manchmal auch unangenehm aufstoßen. Für mich ist es eben auch ein Ventil, die Dinge rauszulassen und danach wieder einen klareren Kopf zu haben.
E: Wie kommst du denn auf einmal auf französische Texte? Sind die überhaupt von dir? Gab es doch vorher noch nie, oder?
P: Stimmt, die gab’ es vorher nicht. Der Text ist von mir, grammatikalisch auch nicht korrekt, aber irgendwie mag’ ich diese Sprache. Ich finde es auch immer nett, wenn Franzosen Deutsch reden und "Le Jour derniére" dreht die Sache einfach um. Aber bevor es weitere Eskapaden auf Französisch gibt, sollte ich vielleicht noch ein paar mehr Vokabeln und Grammatik pauken...
E: Nicht alle Minimal-Elektronik-Hörer sind auch gleichzeitig TRG-Fans. Häufig hört man, dass ihr mittlerweile zu poppig seid. Any Comments? Diese Vorwürfe betreffen auch eure Live-Auftritte. Wie geht ihr damit um? Zugegebenermaßen sehr "niedlich“ ist wirklich das Artwork der neuen CD - Was ist das Konzept hinter dem kindlichen Cover?
P: Wir haben auch nie behauptet, eine Minimal-Elektroband zu sein. TRG gibt es nun seit 1988 und hat schon so manche Wandlung erlebt. Mittlerweile sind wir zwar beim Elektropop angelangt und fühlen uns damit sehr wohl. Das ist der aktuelle Stand der Dinge. Natürlich mögen wir auch Minimal-Sachen, aber sich einem Stil zu verschreiben, engt in der Sichtweise und im Umgang mit Dingen doch sehr stark ein. Wir haben kein Leitbild und benutzen Stilmittel nur so lange, wie es uns gefällt. Wie das bei den Leuten ankommt, ist eine andere Geschichte. Wir sind mit dem Herzen bei der Sache und das zählt letztendlich. Wobei es noch nie geschadet hat, ein wenig polarisierend zu wirken.
Babsy: Wenn wir ein Stück machen, dann passiert das vorwiegend aus dem Bauch heraus... Ob das jetzt eher minimal, oder eher poppig wird oder beides zusammen. Die Grenzen sind da meiner Meinung auch recht fließend, und liegen auch im Auge des Betrachters. Entweder es gefällt uns, oder wir probieren eben was neues. Das Cover passt schon sehr zum Titel - Japaner mögen’s ja auch recht gerne niedlich und bunt - und schließlich macht man seinen Freunden gerne eine kleine Freude, oder?
E: Philipp, seit Ende der 80er-Jahre treibst du dich aktiv im (Industrial-)Underground herum... Hast du in den ganzen Jahren mit Synapscape, Ars Moriendi & Co.schon einmal über das Aufhören nachgedacht oder weitermachen, solange es geht?
P: Auch wenn ich nicht mehr ganz so viel Musik mache wie früher, als es ca. eine Stunde an Songs pro Woche waren, ist ans Aufhören gar nicht zu denken. Mittlerweile lasse ich mir mit den Stücken auch etwas mehr Zeit, denn meine Ansprüche sind schließlich auch gewachsen. Ob meine Musik veröffentlicht wird, oder nicht, ist dabei nicht so wichtig. In erster Linie muss es ja mir, bzw. uns gefallen.
E: Unzweifelhaft sehr inspiriert werden TRG durch die Wave-Musik der 80er-Jahre. Was sind da eure Favouriten? Oder welche Retro-Bands mögt ihr von heute besonders gerne? Geheimtipps, Empfehlungen vom Conaisseur?
P: Interpol - Antics, IAMX - Kiss and Swallow, Client - City, Bloc Party - Silent Alarm, Colder - Heat, Silicon Teens - Music for Parties, Der künstliche Dilletant - Sag’ Nein, Telerotor - Mobilität, Goldfrapp - Felt Mountain + Black Cherry, Howard Jones - Humans Lib, Depeche Mode - die ersten vier Alben, Human League - Reproduction + Travelogue, Cabaret Voltaire - Microphonies, SPK - alles bis inkl. Zahmia Lehmanni... und... und... und...
B: Kann man so stehen lassen: OMD - Genevieve Pasquier - Messer Chups - und Vive la Fete fallen mir da spontan noch ein.... Ich höre sehr viel quer durch den Gemüsegarten, so lange es sich weit genug weg von dem üblichen Chartsgedudel befindet...
Natascha: Auch bei mir ist es eine sehr lange Liste: Depeche Mode, Soft Cell, New Order, Ladytron, Client, alte Sisters, Joy Division... im allgemeinen viel alten Gitarrenwave und einiges, das einem partout nicht einfällt, wenn man gefragt wird.
uwe
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