Golden Apes
Vorfreude, schönste Freude


Selten habe ich einer Band den ihr gebührenden Erfolg so gewünscht, wie den Golden Apes aus Berlin. Nach dem gelungenen Gastspiel auf dem WGT im vergangenen Jahr und ihrem erfrischend selbstbewussten Auftritt im Vorprogramm des Berliner Pink Turns Blue-Konzerts wurde es leider wieder etwas ruhig um sie… Die Ruhe vor dem erneuten Sturm, wie ich hoffe, denn in diesem Jahr werden sie Freunden des klassischen Goth-Rock das Burgnächte-Festival in Rosslau verschönern und an das fünfte Studioalbum legen sie gerade letzte Hand an. Gründe genug, sich nach Fortschritten in jeder Beziehung zu erkundigen.

Daniel: Der „Spieltrieb“ der Golden Apes scheint ungebrochen. Ist die Rolle des ewigen Geheimtipps eher Ansporn oder Hemmnis bei der Entwicklung neuer Ideen? Bastelt jeder für sich oder entstehen Songs gemeinsam?

Golden Apes: Wenn wir an einem neuen Album arbeiten, gibt es immer eine Menge Dinge, die Einfluss auf den kreativen Prozess haben, angefangen bei solch primären Motoren wie unseren eigenen Vorstellungen und Erwartungen bis hin zu solch scheinbaren Nebensächlichkeiten wie der Wahl des Studios, in dem wir große Strecken an Zeit verbringen, aber ich denke das Letzte, was bei der Entstehung neuer Ideen eine Rolle spielt, ist der Status der Band nach außen hin. Es geht und ging nie darum Geschmäcker gnädig zu stimmen, die nicht die eigenen sind, sondern letztendlich wirklich nur um die kompromisslose Umsetzung unserer Vorstellungen. So gesehen ist es nicht nur nicht von uns überschaubar, sondern tatsächliche Nebensache wie man uns innerhalb einer bestimmten Kategorie einstuft. Was die Entstehung und Ausarbeitung der einzelnen Songs betrifft, sind wir mittlerweile an dem Punkt angekommen eine „demokratische“ Band im klassischen Sinne zu sein. Natürlich kommt das Ideengerüst immer von einem einzelnen, meist basierend auf textlichen Inhalten und Atmosphären, aber Struktur, Details und die musikalische Architektur entstehen im Zusammenspiel der einzelnen Vorstellungen und Inspirationen….

D: Das neue Album wird den Titel "The Geometry of Tempest" tragen. Gibt es eine Geschichte zum Titel? Wenn ja, wie spiegelt er sich im Inhalt wieder?

GA: Eigentlich ist der Titel fast schon eine logische Konsequenz. Nachdem sich das vorherige Album mit der Struktur des Inneren beschäftigte, mit dem Schema des Fühlbaren, geht es auf „The Geometry of Tempest“ um die Architektur des Außen, um die Suche nach der Ordnung im Chaos, nach der Struktur des Zufalls, quasi der Berechenbarkeit der Geschichte. Formula Mundi in der Rückkopplung des eigenen Ichs. War das letzte Album eine Art Spiegelung des Inneren, wurde der Spiegel jetzt gedreht und hat sich kontemplativ mit der Welt verbunden. Konkave Sehnsüchte und konvexe Wahrheiten…

D: Das letzte Album „Structures (The Inner Scars)“ glänzte durch intelligente Kompositionen und dennoch eingängigen Aufbau der Songs. Seid ihr diesem Stil treu geblieben oder gab es gravierende, auch personelle Änderungen?

GA: Ich denke schon, dass man dem neuen Album anhören wird, dass wir diesmal eine komplett andere Herangehensweise an die Songs hatten. Es wird eine sehr eigenwillige und experimentelle Platte werden. War es auf dem „Structures“-Album die letztendliche Wirkung, die Atmosphäre der Stücke, die den Fokus auf sich zog, haben wir diesmal unsere Art des Schreibens stark an den Inhalt der Songs angelehnt. Wir haben einige der Tracks bis auf ihre Grundelemente seziert, quasi die akustische Geometrie freigelegt, um sie dann willkürlich zu ordnen und wieder zusammenzusetzen und sind so zu einigen sehr interessanten und überraschenden Ergebnissen gekommen. „The Geometry of Tempest“ wird keine allzu leichtes Album werden, dafür ein sehr intensives. Personell gab und gibt es schon seit der 03er „Helianthos“ keine Veränderungen mehr und ich bin ziemlich froh und glücklich über die momentane Konstanz innerhalb der Band. Es ist die viel zitierte Chemie, die in der derzeitigen Besetzung einfach stimmt…

D: Nach 30 Sekunden der Stille gab es am Ende des letzten Albums eine wunderschöne „Atmosphere“-Coverversion… Sind solche versteckten Geschenke auch für das kommende Werk geplant? Nach welchen Kriterien sucht ihr die Coversongs aus?

GA: Bis dato sieht es ganz danach aus, dass es auch auf dem neuen Album einen Coversong geben wird, aber ich kann und will zum momentanen Zeitpunkt noch nicht allzu viel verraten. Es sei nur so viel gesagt, dass es sich um ein Stück eines Künstlers handeln könnte, der mit seiner Band sowie auch Solo großen inspirierenden Einfluss auf einige von uns hat und hatte, aber es bleibt letztendlich noch abzuwarten, ob er zum Schluss wirklich seinen Weg auf´s Album finden wird. Derzeit ist es nicht mehr als eine Form annehmende Idee… All unsere bisherigen Coversongs hatten eins gemeinsam: Es waren alle persönliche Adorationen an Künstler und Bands, die uns geprägt und beeinflusst haben. Es ging nie darum Geschichte neu zu schreiben, sondern lediglich um ein Memorandum für uns, nie zu vergessen wie dankbar wir ihr sein müssen…

D: Vergleiche mit diversen Bands nerven sicherlich, aber ihr steht musikalisch ziemlich eindeutig in einer gewissen Traditionslinie. Deshalb: Welche musikalischen Helden haben euch geprägt und welchen Einfluss haben sie auf das, was ihr tut?

GA: Es ist manchmal schon ärgerlich, wenn man sieht wie sich einige Menschen nahezu verbissen auf die Suche machen, nur um auch nur den kleinsten erahnbaren Vergleich zu scheinbar bekannten Bands in unserer Musik zu finden. Insbesondere dann, wenn plötzlich Namen ans Tageslicht gezogen werden mit denen niemand von uns auch nur einen Hauch Vertrautheit verbindet. Andererseits wäre es vermessen und bezüglich eines Selbstbewusstseins auch völlig überflüssig, jegwede Einflüsse und Inspirationen zu leugnen. Wir haben aus unseren Prägungen und musikalischen Wurzeln nie einen Hehl gemacht (wofür die diversen Coversongs ein gutes Beispiel sind) und in Anbetracht unseres musikalischen Backgrounds wüsste ich auch gar nicht warum. Wir haben als Band das Glück das wir alle aus gänzlich unterschiedlichen Stilen und Genres kommen und so der inspirierende Einfluss ein breites und vor alledem schwer definierbares Spektrum bildet. Ich werde jetzt hier mit Sicherheit nicht unsere Musik beschreiben, aber um es zukünftigen Rezensenten ein klein wenig einfacher zu machen, seien hier eins-zwei Namen von Künstlern genannt, die auf einzelne von uns großen Einfluss hatten und haben: The Cure, Mr. Bowie, The Cocteau Twins, The Psychedelic Furs, Joy Division, Peter Murphy, mit Sicherheit auch die Sisters und Nephilim, Type O, Brian Eno, The Church u.v.m.

D: Wann genau können wir mit dem neuen Album rechnen? Schließt sich eine kleine Tour an oder beschränkt ihr euch auf Festivals a la den Burgnächten in Rosslau?

GA: Im Moment sind wir gerade dabei die ersten Songs einzuspielen und ihnen eine erste Form zu geben, parallel arbeiten wir an neuen Stücken und Ideen, was es zum derzeitigen Punkt wirklich schwer macht überschaubare Abläufe planen zu können und jetzt schon konkrete Daten nennen zu können. Wir selber haben es uns als mögliches Ziel gesetzt irgendwann im Sommer das Album fertig zu haben, aber inwiefern dies realistisch und vor alledem realisierbar sein wird, ist momentan wirklich schwer vorhersehbar. Auf jeden Fall werden wir ab Jahreshälfte anfangen wieder Konzerte zu geben und dort den Großteil der neuen Songs auch live vorstellen. Ob und wieweit sich eventuell eine kleine Tour im Herbst anschließen wird, bleibt vorläufig noch abzuwarten.

D: Ihr seid alle in einem Alter, wo selbst der traurigste Einzelgänger beginnt an Familie zu denken… Könnt ihr euch vorstellen, dass die Apes irgendwann „nur“ noch ein schönes Hobby sind?

GA: Ich denke nach den doch schon eins-zwei verbindenden Jahren, die wir zusammen Musik machen und Visionen, Zeit und Zwischenmenschlichkeit teilen, könnte sich niemand von uns vorstellen gänzlich auf die Golden Apes und die damit verbundenen Menschen zu verzichten.

D: Wie löst ihr Meinungsverschiedenheiten? Gibt es irgendwelche festen Rituale innerhalb der Band, vor Auftritten öder ähnliches?

GA: Wir sind als Band ja nun kein abgeschiedenes Konsortium mit konspirativen Regeln und Bräuchen, von daher würde ich behaupten, dass wir Konflikte genauso lösen, wie es jeder andere auch tut. Mit Sicherheit hat es zur Folge, dass, wenn fünf Menschen relativ viel Zeit miteinander verbringen, nicht immer die Sonne scheint, aber wo auf dieser Welt tut es das schon?

D: Ich bedanke mich für das ausführliche Beantworten der Fragen und wünsche euch für die Zukunft alles Gute, auch in meinem ureigenen Interesse, schönen Goth-Rock aus der Heimatstadt auf die Ohren zu bekommen.

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Daniel Bartsch


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