Eigentlich alles gar nicht mein Ding: Musik-Doks mit ihren üblicherweise grausam zappelnden Handkameras und hektischem Stakkato-Schnitt aus Satzfetzen und Songfragmenten, das zeitgemäße Loser-Genre ElektroPop und schließlich die aussichtslose Diskussion, ob man 60 Jahre nach Hitler wieder „Ich find Deutschland gut“ sagen darf. Aber bei diesem Film: Respekt! Ich bin in allen Punkten durchweg positiv überrascht worden! Zunächst natürlich das Wichtigste, die Band: Mia sind viel eher engagierte Schrammelrocker bzw. Elektropunks als Elektropopper, schon was ihre Live-Fähigkeiten angeht. Die Combo hat sichtlich Spaß am Zusammenspiel (und will nicht nur möglichst schnell berühmt und reich werden, wie der Filmtitel vermuten lässt) und schafft es problemlos, auch größere Säle aus dem Stand heraus zu rocken! Und das deutlich schräger, d.h. eigenständiger als Bands wie Juli, Madsen etc. Mias Hits, z.B. „Es ist, was es ist“ (welcher sich übrigens mehr als nur in der Titelzeile auf Erich Fried bezieht) sind mir aus dem Radio nie sonderlich reingelaufen, live auf der Bühne angerichtet kommt das hier aber schon ganz anders rüber - das rockt! Da möcht man doch glatt reinspringen! Und das wiederum liegt natürlich auch an den Filmern: die haben es geschafft, trotz engen Proberäumen, Backstage-Tumult und schummerlichtigen Locations qualitativ beachtlich gute Bilder zu drehen, die dabei aber deutlich auch noch Rock‘n‘Roll-Stimmung atmen. Plus: die Doku-Boys haben der Band in den einzelnen Einstellungen genug Zeit gegeben, sowohl ihre Songs wie auch ihre Statements zur Geltung kommen zu lassen. Der Film hat keine musikvideo-üblichen Hackschnitt-Salven nötig, um Tempo oder Spannung anzuschieben, das alles wird schon von der Band und ihrer Story erzeugt. Und damit zum politischen Teil: auch wenn man einige Mia-Auftritte und Textzeilen in etwas platter schwarz-rot-gelber Gewandung durchaus als „Knapp vorbei kann auch voll daneben sein" bezeichen kann: Die Selbstpositionierung der dritten deutschen Nachkriegs-Generation kann einfach nicht nur aus den beiden Extrem-Positionen Antifa und Neonazis bestehen. Mieze und ihre Band haben mehr als nur Propaganda gewollt und hingekriegt und das gerade auch in diesem Film in vernünftigen Statements deutlich gemacht. Dass die Band mittlerweile nur noch genervt auf Ansprache zum Thema reagiert, kann man verstehen: die heutige Nachwuchs-Antifa benimmt sich bezüglich Mia leider genau so blöde wie ihre Hauptgegner, die Dumpf-Glatzen früher: angesoffen pubertierend unverstandene Parolen nachgrölend und Wut und Frust auf gerade Daherkommende abladend (
Link zum Forum). Bedauerlich. Aber nicht nur weil er dazu einen guten Beitrag abliefert, sondern weil lebendige Musik und gute Bilder im Vordergrund stehen (und Mia ganz generell eine Band ist, über die sich eine Dokumentation lohnt), finde ich diesen Film sehr empfehlenswert. Zu sehen ist er am 7.+9.10.05 auf dem Leipziger Dokumentarfilm-Festival (
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