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Melancholie. Genie und Wahnsinn in der Kunst Ausstellung und Salon Noir in der Neuen Nationalgalerie, 17.2. bis 7.5.06
 Einem schönen Thema widmet sich dieser Tage die Neue Nationalgalerie am Kulturforum: der Melancholie. Obwohl als Begriff durchaus gebräuchlich, dürften die meisten von uns eine eher vage Vorstellung davon haben, was Melancholie eigentlich bedeutet. Man kann sie als das Wissen von der eigenen Endlichkeit betrachten, verbunden mit einem schwermütigen Gefühl und unter Umständen dem Bedürfnis sie (die Endlichkeit) zu überwinden - mit Hilfe kreativen Schaffens zum Beispiel. Melancholie ist nicht nur Leitmotiv und Motor gewisser dunkler Subkulturen, sondern auch der Künste und Kreativen schlechthin. Im Rahmen der Ausstellung „Melancholie. Genie und Wahnsinn in der Kunst“, welche seit dem 17. Februar und bis zum 7. Mai diesen Jahres in der Neuen Nationalgalerie zu sehen ist, möchte geklärt werden, inwieweit sich das „spirituelle Geheimnis der Entstehung der Kunst“ darstellen lässt. Zu diesem Zweck haben die Kuratoren der Ausstellung über 300 Exponate aus verschiedenen Sammlungen und Zusammenhängen zusammengetragen. Beginnend mit der Antike ist die Ausstellung in (kunst)historische Kapitel gegliedert, anhand derer sich die Besucher einen Eindruck vom Bedeutungswandel des Melancholiebegriffs im Laufe der Zeit verschaffen können. Glaubte man in der Antike einen Zusammenhang zwischen Melancholie und Genie zu sehen, waren mit ihr während des Mittelalters vorwiegend negative Assoziationen verbunden, eine Wahrnehmung, die sich mit der Renaissance wiederum änderte. Melancholie war auch immer Gegenstand der Medizin - nach Galens Humoralpathologie ist das melancholische Temperament auf ein Ungleichgewicht der Körpersäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle zugunsten letzterer zurückzuführen. Spätestens mit der Aufklärung und dem anbrechenden Zeitalter der (Natur)Wissenschaft wurde die Melancholie wieder zum Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung und in der Medizin zum Befund, nämlich dem der Geisteskrankheit und der Depression. Neben Kunstwerken von Albrecht Dürer, Caspar David Friedrich, Arnold Böcklin, Edvard Munch, Salvador Dali bis hin zu Jörg Immendorff oder Anselm Kiefer, Skulpturen, Schriftstücken und Fotografien sind in der Neuen Nationalgalerie Gegenstände aus dem Musikinstrumenten- oder dem Medizinhistorischen Museum zu sehen. Zeitgleich werden in einer sich in der oberen Halle der Neuen Nationalgalerie befindenden Black Box wöchentlich wechselnde Videofilme gezeigt. Damit wären wir beim zweiten Bestandteil der Ausstellung: An den Abenden wird die Black Box zum Salon Noir, zum Ort für Vorträge, Konzerte, Performances, Lesungen, Kino- und Clubveranstaltungen. So treten dort beispielsweise Deine Lakaien, Corvus Corax oder Alexander Christou auf. Die Veranstaltungsreihe gipfelt in einem Abschlussabend zum 150. Geburtstag von Siegmund Freud.
„Melancholie. Genie und Wahnsinn in der Kunst“ verspricht also eine sehr sehenswerte Ausstellung mit einem ebenso spannenden Rahmenprogramm zu werden und für alle, die sich tiefergehend mit dem Sujet vertraut machen wollen: Anlässlich der Ausstellung erscheint ein ca. 500-seitiger Katalog mit Abbildungen der ausgestellten Werke und wissenschaftlichen Beiträgen (45 Euro im Museum) sowie ein 60-seitiges Magazin (6 Euro).
Öffnungszeiten: Di, Mi, So 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, Fr, Sa 10-20 Uhr
Eintritt: 10 €, ermäßigt 6 €
Programmhinweise des Salon Noir im Dates-Teil
Abbildung: Edward Hopper, Kino in New York, 1939,
Öl auf Leinwand, 81,9 x 101,9 cm
The Museum of Modern Art, New York, Anonyme Schenkung
© 2005 DigitalImage, The Museum of Modern Art, New York/Scala, firence
Thomas
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