Penis corruptus
Eine Lesung über den Umgang mit Staubsaugern


Die Wissenschaft des vergangenen Jahrhunderts hat schier unglaubliches vollbracht, gelang es doch beispielsweise der Medizin, den früher als unheilbar geltenden Knochenmarkschwund infolge von geschlechtlicher Selbstbefriedigung auszurotten, so daß heutzutage jeder, der ein bißchen Spaß mit seinem Körper haben möchte, dabei aber auf das entsprechende menschliche Gegenstück verzichten will, ohne Furcht um seine Gesundheit dieser Leidenschaft frönen kann. Bei der Wahl eventueller Hilfsmittel zur Erlangung der Freuden sollte dagegen nicht allzu unbedacht vorgegangen werden, was bereits im Jahre 1978 ein promovierender Medizinstudent im Rahmen seiner Dissertation feststellte. Der Titel seiner Arbeit: "Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern". In ihr hat der angehende Urologe die Fälle von jungen Männern untersucht, die mit nahezu identischen Verletzungen an ihren Geschlechtsteilen und absolut unglaubwürdigen Erläuterungen, wie diese zu Stande gekommen seien, in die Notaufnahmen von Krankenhäusern eingeliefert wurden. Der Grund hierfür war - und damit sei eine weitere Leistung des 20. Jahrhunderts gepriesen - ein Staubsauger, und zwar einer der Marke "Kobold" der Firma Vorwerk. Dieser zeichnete sich dadurch aus, einen nur elf Zentimeter langen Ansaugstutzen zu besitzen, über dem unmittelbar der Motor inklusive eines Propellers angebracht war. Nun sind elf Zentimeter, glaubt man den Statistiken, für den durchschnittlich gebauten Mann zu wenig, um sich voll entfalten zu können, und Begriffe wie "abgetrennte Penisbändchen" und "mehrstrahliges Wasserlassen" unterstützen diese Theorie.

Eben jene Doktorarbeit, in der diese Untersuchungen festgehalten wurden, wird seit einiger Zeit im Rahmen einer durch die deutschen Landen tingelnden Lesetour von Charlotte Roche, ehemals eloquente Moderatorin bei einem schlechten deutschen Musiksender, sowie wahlweise Christoph Maria Herbst oder Heinz Strunk unter Zuhilfenahme von Fotodokumenten und schematischen Abbildungen rezitiert. Dabei schwankt die Stimmung beim zuhörenden Publikum zwischen lautem, zumeist weiblichem Gelächter und Nachdenklichkeit und sogar Ohnmachtsanfällen bei den männlichen Besuchern. Die Vortragenden jedoch beteuern die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens zum Wohle der Menschheit und der Aufklärung über Gefahren bei dieser Art des "Staubsaugermißbrauchs". Eines zumindest beweist die Promotionsarbeit, nämlich die von Frauen zumeist bestrittene Behauptung, daß es auf die Länge - in diesem Falle: die besser nicht vorhandene - doch ankommt.

Die aktuellen Termine:
20.2.2006: Berlin - Tränenpalast
09.3.2006: Münster - Jovel
21.3.2006: Ludwigsburg - Scala
22.3.2006: Saarbrücken - Garage
29.5.2006: Hamburg - Tivoli
18.6.2006: Ulm - Ulmer Zelt


Robot-W


zurück