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Urban VIII. - unser Papst des Monats Barock im Vatikan - Kunst und Kultur im Rom der Päpste
Berlin ist schon lange ein weißer Fleck auf der Landkarte des internationalen Katholizismus. Zwar ist Berlin Bischofssitz und hat sogar einen eigenen Kardinal - den kennt aber niemand. Katholische Gottesdienste finden meist in Hinterzimmern heruntergekommener Eckkneipen in abgelegenen Bezirken statt.
Nach vielen Jahrhunderten, in denen wir spirituell allein der evangelischen Kirche und anderen Splittergruppen ausgesetzt waren, nimmt der Vatikan nun endlich wieder seine Missionsarbeit bei uns auf. Seit dem 12. April läuft nun schon im Martin-Gropius-Bau die Aussstellung "Barock im Vatikan - Kunst und Kultur im Rom der Päpste".
Es werden etwa 300 Kunstwerke gezeigt: Die teilweise erstmals ausgeliehenen Kunstwerke des Vatikans selbst, der Biblioteca Apostolica Vaticana, der Fabbrica di San Pietro und des Musei Vaticani werden ergänzt durch Leihgaben aus zahlreichen europäischen Sammlungen. Die Bau- und Ausstattungsgeschichte des Petersdoms zieht sich wie ein roter Faden durch die einzelnen Sektionen. Am Bau beteiligt waren die berühmtesten Künstler jener Epoche, darunter Michelangelo, Bernini, Borromini, Sacchi, Guercino und Reni. Gianlorenzo Bernini und seine wichtigen Projekte für St. Peter – Baldachin, Cathedra, Papstgräber und Platzanlage – werden in der Ausstellung durch Zeichnungen, Modelle, Bozzetti und Skulpturen gezeigt.
Im päpstlichen Rom des späten 16. und 17. Jahrhunderts bündelten sich wie in einem Brennglas die religiösen, künstlerischen und wissenschaftlichen Strömungen der Epoche. Dass Kunst gerade in Rom als Mittel zur Legitimierung von Macht und Ansehen eine so gewichtige Rolle spielen konnte, hatte seinen Grund in der bis heute einzigartigen politischen Struktur des päpstlichen Kirchenstaates als einer Wahlmonarchie: Jede Wahl veränderte die Machtverhältnisse zwischen Papst, Kardinälen, dem römischen Adel und den mächtigen Ordensgemeinschaften. Die Förderung der Künste und Wissenschaften war daher ein allgemein übliches Mittel, die eigene Position im Spannungsfeld von geistiger und politischer Macht aller Welt vor Augen zu führen und sie möglichst über den Tag hinaus zu sichern.
Eine eigens für die Ausstellung produzierte CD erinnert an die Musikkultur des barocken Vatikans. Giorgio Allegris Miserere etwa, 1638 für Papst Urban VIII. entstanden, galt als berühmteste Komposition der Epoche und war der päpstlichen Kapelle vorbehalten, Kopien waren bei Strafe verboten.
Eine Vorreiterrolle bei der Heranbildung unseres modernen Weltbildes hatte die römische Accademia dei Lincei, Vorbild aller modernen Wissenschaftsakademien. Die von unserem Papst des Monats gegründete Accademia hatte kein geringeres Ziel gesetzt als das Studium des theatrum totius naturae, der bildlichen Erfassung aller Naturerscheinungen. Die erst kürzlich wiederentdeckten Zeichnungen der Lincei gehören zu den detailliertesten und schönsten Naturstudien der Epoche. Der berühmteste Wissenschaftler der Epoche, Galileo Galilei, seit 1611 Mitglied der Lincei, war mit Papst Urban VIII. befreundet (auch wenn später diese Freundschaft bekanntlich aufgrund der Starrköpfigkeit Galileis zerbrach), mehr als 30 Mondkrater sind nach Jesuiten benannt.
Die Ausstellung hat täglich außer dienstags von 10 bis 20 Uhr, donnerstags, freitags und samstags bis 21 Uhr geöffnet. Sie läuft noch bis zum 10. Juli im Martin-Gropius-Bau. Der Eintritt in die römisch-katholische Kirche kann über das zuständige Bistum beantragt werden. Der geringe Monatsbeitrag wird bequem über das Finanzamt eingezogen, für Hartz-IV-Empfänger ist die Mitgliedschaft kostenlos.
sascha
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