20. Fantasy Filmfest
9. bis 16. August 2006 in Berlin und Hamburg


Es ist wieder soweit: Das Fantasy Filmfest kommt zum großen Finale nach Berlin und Hamburg. Vom 9. bis 16. August sind Cinemaxx Potsdamer Platz in Berlin und Cinemaxx Dammtor in Hamburg die Festivalkinos für jedwede Art des fantastischen Films, von Horror über Trash, Thriller und Science Fiction bis zu Suspense und Kurzfilmen. Die Beiträge sind zu einem großen Teil weit abseits des Mainstreams mit Werken unter anderem aus Spanien, Österreich, Frankreich, Belgien, Dänemark und natürlich in einem Schwerpunkt auch wieder aus Asien - Japan, Korea, China und Hongkong. Aber selbstverständlich ist das Filmland USA mit vielen Beiträgen ebenfalls vertreten, die zumeist Monate vor dem offiziellen deutschen Kinostart hier in der Originalversion zu sehen sind - und einige Filme aus Deutschland sind auch dabei.

Weil das Festival bereits durch andere Städte getourt ist, haben sich mancherlei "Geheimtipps" herauskristallisiert. Mit besonders viel Vorschuss-Lorbeeren bedacht wurden der Eröffnungsfilm "Severance", eine britische Horror-Komödie, die verwöhnte Nerds und Angestellte eines Rüstungskonzerns auf jene treffen lässt, die ihre Waffen "mit Leib und ohne Seele" anzuwenden verstehen, sowie "Renaissance", der noch beeindruckender sein soll als Sin City, und als Gegenpol zu Action und Blut der fantasievolle "The Science Of Sleep", ein Film über das Verlieben und Träumen, der das Festival abschließt. Beide letztgenannten übrigens aus Frankreich.

"Severance" kam beim Publikum gut an, während "Renaissance" genau wie damals Sin City sehr geteilte Meinungen hervorrief. Optisch bestechend ist der Film durchaus, und viele werden den düsteren Stil einfach lieben - aber die Story bleibt oberflächlich und vermag nicht zu berühren. Ähnliche Kritiken musste auch "The Science Of Sleep" erfahren, der zwar einerseits fantasiereich und wunderwunderschön ist (er wurde sogar mit "Die fabelhafte Welt der Amélie" verglichen), aber keinen so leichten emotionalen Zugang bietet.

Ganz hoch im Kurs beim Publikum standen dagegen aus der offiziellen Auswahl "Adam's Apples", eine skurrile, schwarze Komödie zum alten Thema "Gut gegen Böse" aus Dänemark, "Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon" (USA), der die Geschichte eines neuen, skrupellosen Serienkillers à la Jason, Freddy & Mike Myers als fiktive Reality-Doku mit (gemäßigt) blutigem Finale erzählt, "The Method" bzw. "El Método" aus Spanien, ein gnadenloser und unterhaltsamer Film, in dem mehrere Bewerber um einen Managerposten ein boshaftes, perfides Spiel mitmachen müssen, sowie "13 Tzameti", ein in körnigem Schwarzweiß gedrehter, eiskalter französischer Thriller, der sowohl die Hauptfigur als auch den Zuschauer lange im Unklaren darüber lässt, auf was für ein gefährliches Abenteuer man sich hier eingelassen hat. (Tipp: Wer sich die Spannung nicht verderben lassen möchte, sollte die Beschreibung im Festival-Programm nicht lesen!)

Highlights im "Focus Asia" sind eindeutig "Bystanders", der als harmlose Krimikomödie beginnt und sich zu einer spannenden Serienkiller-Hatz samt psychologischem Tiefgang entwickelt, "Shadowless Sword", ein fantasievoller Schwertkämpfer- und Martial Arts-Film mit Action und Unterhaltung ohne großen Anspruch im Stil von Tiger & Dragon, und "SPL" ("Sha Po Lang"), ein Actiondrama, in dem ein Polizist in Hong Kong einen flüchtigen Triadenboss jagt, welcher die Familie eines Mädchens abschlachten ließ, das der Cop danach in seine Obhut genommen hat.

Ein weiterer Programmschwerpunkt des Fantasy Filmfest gilt mit "Fresh Blood" jungen Regisseuren, die wahrscheinlich bald von sich Reden machen werden. Die besten Tipps aus diesem Bereich sind "Baba's Cars", eine irgendwie typisch skandinavische Komödie im Stil von "Fargo", der Film Noir-Thriller "Brick", in dem ein zynischer Detektiv seine spurlos verschwundene Ex-Freundin in dem Umfeld einer modernen US-Highschool aufzuspüren versucht, der venezuelanische Beitrag "Secuestro Express", der in modernen Bildern die (dort beinahe alltägliche) Geschichte einer Entführung und Lösegelderpressung hautnah miterleben lässt, sowie "Them" aus Frankreich mit viel blankem Horror und nicht zuviel nebensächlicher Handlung.

Das Fantasy Filmfest ist mal wieder für eine Menge Überraschungen gut, und mit etwas Glück findet jeder Liebhaber von filmischer Fiktion darunter sein Highlight des Jahres.

Festival-Homepage: Link


w-sky


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