Man kann über die Sisters sagen, was man will, aber für eines muss man ihnen wohl Respekt zollen: Welche Band schafft es nach fast 15 (!) Jahren ohne neue Veröffentlichung noch, Headliner auf großen Festivals zu sein (Anfang August in Belgien: 16.000 Leute), oder mitten in der Woche bei einen Ticketpreis von über 40 EUR 1.500 Leute (gleiche Woche in Zürich) in eine Konzerthalle zu locken? Wohl niemand. Trotzdem, der Ruhm von Oberschwester Eldritch bröckelt sichtlich und das nicht erst seit gestern. Zahlreiche Beiträge im M'era Luna-Forum unter dem Thema "Sisters - Wie oft bitte noch?" unterstreichen, dass die barmherzigen Schwestern in der heutigen Szenelandschaft keine große Credibility mehr besitzen. Dass dies nicht an der immer noch brillianten Musik liegt, haben Andrew Eldritch (Voc), Adam Pearson (Guit) und der neue, noch sehr junge Gitarrist Chris Catalyst am Sonntag in Hildesheim - ihrem mittlerweile dritten Auftritt auf dem M'era Luna - mal wieder bewiesen und damit einige Zweifler überzeugt, aber natürlich mindestens genauso viele Vorurteile von denjenigen bestätigt, welche die Sisters - aus welchen Gründen auch immer - eh blöd und unwichtig finden.
Sei's drum. Zahlreiche Fans aus ganz Europa hatten Spaß bei der Sisters 'Sommer Europe 2005'-Tour, deren Abschluss der M'era Luna Gig bildete und feierten ihre Idole, unterstützt durch teils sehr schiefen Mitgesang und mit großen Gesten posierend auf den Schultern anderer enthusiastischer Fans. Andrew Eldritch selbst zeigte sich im Gegensatz zu den Auftritten 2000 und 2002 eher wortkarg, sehr konzentriert und zudem halbwegs nüchtern, was die Darbietung vom musikalischen und gesanglichen Aspekt zwar professioneller und solider als in den Vorjahren machte, aber doch einiges von der speziellen Atmosphäre eines Sisters Gigs bei 'nem Grufti-Festival vermissen ließ. Markige Kommentare zum zugegebenermaßen verboten gehörenden Outfit einiger Gäste und unerwartete Kapriolen wie das Werfen des Mikro-Ständers in's Publikum (wie beim ML '02) blieben somit leider aus. Schade. So wirkte Old Andrew, mittlerweile (aus eigener Initiative) glatzköpfig und mit Bart, fast zu nett für seine Verhältnisse.
Songtechnisch gab es mit Klassikern wie Alice, First And Last And Last And Always, Dominion, Lucretia und dem unvermeidlichen Temple Of Love, sowie "neuen" (bisher unveröffentlichten) Hits, wie Crash And Burn, Summer und (We Are The Same) Susanne einen exzellenten Querschnitt durch das musikalische Schaffen der Sisters.
Ich habe aufgrund später Ankunft nur wenige Bands auf dem M'era Luna gesehen, aber ich bin mir trotzdem sicher, dass die Sisters auch in zehn Jahren noch einen verdiente Ausnahmeposition zwischen etlichen schlechten Mittelalter-Rock, Electro-und Schmuse-Goth Bands inne haben werden, denn der Kult um diese Band besteht doch nicht ganz zu Unrecht.
In diesem Sinne: Tune In - Turn On - Burn Out!
[Ein
Link zur besten deutschen The Sisters Of Mercy - Fanpage]