|
Subway auf Abschiedstour? Mitnichten! Hoch vom Galgen klingt es
 Wer Subway To Sally am 27. Dezember 2005 im Aladin in Bremen erlebt hat, weiß in Zukunft großzügige Konzerthallen wie die Columbiahalle oder Arena in Berlin noch mehr zu schätzen, trotz ihrer kühlen Atmosphäre. Das Aladin dagegen ist zwar eine große und nette Diskothek, aber für ein Konzert einer Band wie Subway To Sally noch viel zu klein. Wie Heringe, pardon, Ölsardinen standen die rund 2000 Bremer dicht gedrängt im Bereich vor der Bühne, in den Gängen und auf der Galerie, und ließen dabei zunächst, während die Supportband Leaves' Eyes mit Sängerin Liv Kristine ein solides, gutes und eigentlich mitreißendes Gothic Metal-Konzert präsentierte, die Frage aufkommen, warum sie eigentlich alle hier sind. Denn kaum jemand wagte es, sich zu bewegen, nur hier und da wippte ein Oberkörper mit. Kühl und trocken wie ein Stockfisch die Bremer, typisch norddeutsche Zurückhaltung - aber nur scheinbar! Als die Mannen von Subway To Sally die Bühne betraten, und Violine, Dudelsack und Drehleier erklingen ließen, war die Menge wie ausgewechselt. Sie tobte und machte Radau, dass es nur noch ein reines Vergnügen war. Schade für die, die in den engen Zuwegen zum Mittelbereich feststeckten und sich die Hälse recken mussten, sie bekamen nicht so viel davon mit, während die Lautstärke der Musik zweimal gereicht hätte.
Subway To Sally beherrschen ihr Handwerk und lassen nicht die geringsten Ermüdungserscheinungen erkennen, obwohl sie auch nicht mehr die Jüngsten sind und Sänger Eric Fish am Ende schon leicht außer Atem war. Doch energisch wurde die Behauptung, es würde sich um die Abschiedstour der Band handeln, im Laufe des Konzerts dementiert - die Regionalzeitung hatte es witzigerweise so in ihren Veranstaltungstipps angekündigt. Aber auch ohne eine Ansage wäre an diesem Abend selbst jeder tauben Nuss klar geworden, dass Subway immer noch auf einem Dauer-Hoch sind. Sie rockten das Haus und spielten mit der Menge ihrer jungen und alten Fans, die ihnen treu ergeben war und fast jedes Lied mitsingen konnte, ganz gleich ob von den alten oder neuen Scheiben. Die Stimmung kochte und selbst gestandene Frauen mussten durch den Bühnengraben befreit werden. Wie üblich auf guten Subway-Konzerten, durften die Helden des Abends nach mehreren Zugaben immer noch nicht endgültig von der Bühne gehen, ohne "Julia und die Räuber" zum Besten gegeben zu haben. Auch wenn das Publikum erst im Chor das alte Kinderlied selbst singen musste. (Mindestens) sieben mal schallte es daher aus allen Kehlen: Blut, Blut, Räuber saufen Blut...
Zum Ablauf bliebe sonst nur noch zu sagen: rundum perfekte und effektreiche Bühnenshow, im richtigen Bereich prima Sound (wenn auch viel zu laut), und im Anschluss gleich nebenan im Tivoli Club eine gute Aftershow-Party bis spät in die Nacht. Die Galerie im Aladin, nebenbei bemerkt, ist aus soundtechnischer Sicht nicht sehr zu empfehlen.
w-sky
zurück
|