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Gavin Friday - "Tomorrow Belonges To Me" in der Liberty Hall in Dublin am 27. Juli 2006 Der Stimme von Virgin Prunes gehört die Zukunft!
 Irgendwie stand das Konzert aus meiner Sicht unter keinem guten Stern, aber nach einem Pint Becks und Rio Reisers säuselnder Stimme auf der Damentoilette, begann ich aufzutauen und mich langsam wohl zufühlen. Zuvor ahnte ich nichts Gutes als ich in der Eingangshalle flotte Mittvierziger und Mittfünfziger in allen Farben außer schwarz erblickte. Innerlich stellte ich mir schon die Frage, ob wir alle wegen demselben Gavin Friday hier wären oder wer auf der Strecke bleiben würde. Aber ein mit Glücksmomenten angereicherter Abend sollte schlussendlich folgen.
Der erste Blick auf die Bühne der Liberty Hall, das an ein kleines verträumtes Kino erinnerte, versprach viel, sowohl sehtechnischer Art, zweite Reihe, als auch im Arrangement. Die Bühne war in einem warmen Rotlicht eingehüllt und eingerahmt wurde sie von zwei Leinwandprojektionsebenen, die das Treiben auf der Bühne szenisch einbetteten. Beim Anblick des Grammophons sowie der diversen Utensilien aus den 20er Jahren und den umschlingenden weinroten Pannesamt schlug das Herz höher und man vergaß das um einen herum. Liebevoll war auf jeden Platz ein braunes Tütchen mit einem Programmheftchen und einer Flasche Becks (voll und ungeöffnet) gelegt. Die Flaschen sind streng limitiert auf 2.000 Stück und tragen das GF Symbol sowie die Aufschrift „Heiliges Herz von Gavin“.
Was folgte war unglaublich schön, sinnlich und abgefahren. Das Songrepertoire reichte von "Lili Marleen" (Textgrundlage Hans Leip), "Showroom Dummies" (Kraftwerk), "Bela Lugosi Is Dead" (Bauhaus), "Each Man Kills The Things He Loves" (Textgrundlage Oscar Wilde), "Radioactivity" (Kraftwerk) bis hinzu "Daddy Cool" (Boney M).
So breit wie das Songrepertoire gefächert war, konnte man auch Gavins Eintauchen in die verschiedenen Charaktere bewundern. Gavin gab den Vamp (als Bela Lugosi mit Sequenzen aus Filmen mit Bela Lugosi), einen suchenden und zweifelnden Künstler, der von einer/m Muse/Engel geküsst und angefleht wird ihn zu lieben und nicht zu verlassen (eingesprochen von einer Frau auf deutsch aus dem Off), den trinkenden Poeten mit Weißwein am Tisch, die Diva mit schwarzer Federboa auf einem Barhocker (von Bildern aus dem Blauen Engel mit Marlene Dietrich szenisch untermalt), als Entertainer mit dem "Pin The Bottle"-Spiel und durch das Publikum flitzend, als James Dean-Verschnitt in Lederjacke und Jeans sowie als Daddy Cool mit schnittiger Sonnenbrille.
Unterstützt wurde Gavin von Herbie Macken (Keyboard), Cáit O´Riordan (Bass), Anto Drennan (Guitarre), Kate Ellis (Cello), Guy Rickarby (Drums), Miriam Blennerhasset (Gesang), Noni Stapleton (Performance) und Justine Doswell (Tanz).
Die Momente reichten von warmherzig, trashig, schmunzelnd, ergreifend, amüsierend bis hinzu mulmig-kritisch. Zum Beispiel war eine schmunzelnde und "tuffige" Sequenz, als Gavin das Publikum fragte, ob es das bisherige Programm schon hart fand und er sich anschließend die schwarze Federboa um den Hals lasziv schwang und im gleichen Moment sagte, dass es nun noch härter werden würde und "Lili Marleen" singen begann. Warm ums Herz wurde einem, als Gavin meinte, dass seine Mutter auch hier sein würde und sie daraufhin winkte und er sich kurz unterhalten hat und am Ende resümierte, dass wieder einmal eine Mutter nicht auf ihren Sohn hört. Am Schluss der Show gab es dann für die knuffige Mutter auch einen dicken Blumenstrauß von der Bühne vom Sohnemann gereicht.
Am Ende bleibt für mich eine Frage offen, warum finden Amerikaner, Engländer und anscheinend Iren auch das Wort Düsseldorf so toll. Und die Randbemerkung, dass das von Gavin im Programm immer wiederkehrende Element der Rune Sowelu (steht für Ganzheit, Lebenskräfte, die Energie der Sonne) verdächtigt ähnlich aussieht.
Für mich hat die Verwendung der Rune im Kontext der 20er, 30er Jahre einen bitteren Beigeschmack, weil ich dummerweise von solch einer Koketterie und Umgang dieser missbrauchten Elemente angenervt bin, sicherlich reagiere ich da über. Schlussendlich bleibt nur noch ein Seufz, was für eine Stimme und was für ein warmherzig, trashig und leid-lustvolles Wesen. Die leere Becksflasche mit dem Heiligen Herz von Gavin hat einen Ehrenplatz bekommen und zu konstatieren: Tomorrow belonges to me and YOU.
Anna Johannes
coinscoil
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