Manometer, ist das ein Rummel! Wer bis jetzt nichts von The Arcade Fire gehört hat, wird die Tage nicht drum herum kommen. Die Medien stürzen sich wie eine ausgehungerte Meute auf diese Neuentdeckung aus Übersee. Am 14. März war Stichtag. Endlich gibt es auch hierzulande die Debütplatte "Funeral". In der amerikanischen Indie-Szene und in ihrer Heimat Kanada sind sie längst der letzte Schrei. Und das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Sänger Win Butler das Projekt erst 2002 in Leben rief. Dabei bleibt aber auch alles in der Familie, denn Co-Songwriterin ist niemand geringeres als Wins Ehefrau Régine Chassagne. Derweil zählt die Band sieben illustre Mitglieder unter anderem auch Wins jüngeren Bruder Will. Auch inhaltlich geben The Arcade Fire sich familiär, so sind doch vier Songs mit "Neighbourhood" betitelt. Win stellt klar, dass die Band keine Frontmann + Zweckgemeinschaft sei. Für ihn zählt der Gesamtoutput der Gruppe.
Und der hat's in sich. Man nehme eine ruppige David Byrne-Stimme, garniere sie mit ein wenig mystischem, teils elegischem und straitem Rock und würze ganz kräftig mit den unterschiedlichsten Instrumenten à la Violine, Xylophon, Flöte, rühre einmal kräftig durch und schmecke mit etwas Feingefühl, Abstraktion/Morbidität (nicht zu viel) und einem Schuss Beklopptheitskompetenz ab. Danach alles fein angerichtet, verspricht eine leckere Platte zu werden.
So gesehen auf dem vorerst einzigen und übrigens auch ersten Deutschlandkonzert im Berliner Magnet Club am 13. März (Fotos online). Sieben Mannen und Frauen quetschten sich auf die schmale Bühne vor längst ausverkauftem Hause. Schon beim ersten Song "Wake up" war das Publikum erobert, das sich neugierig in dem schmalen Klub drängelte. Die Band ihrerseits, irritiert von so vielen Besuchern, steigerte diesen Fakt zum Running Gag und konnte so einige Lacher verbuchen. Scheinbar wahllos wechselten alle Beteiligten fleißig die Instrumente, bis auf die süße Geigerin (kann dann halt doch nicht jeder) blieb niemand einem Instrument treu. Was zu ständigem Gewusel auf der Bühnenfläche führte. Schier ungebremste Power verstrahlen die sieben Chaoten, die im Chor singend ihrem Namen alle Ehre machen und in null komma nix steht das Haus stimmungsmäßig in Flammen. Artig spielten sie also ihr Debüt und vertrösteten die nicht müde werdende Menge am Ende auf eine schnell zu organisierende ausgedehnte Tour im Mai.
Da stellt sich mal wieder die Frage, ob es ein Segen oder ein Fluch ist, wenn man seine mp3s online zur Verfügung stellt (so geschehen auf
Link) bevor man seine Platte veröffentlicht. Klar, man bekommt offenbar schnell internationale Aufmerksamkeit (auch jene von David Bowie, der es sich nicht nehmen ließ, sich in NYC in enge Clubs zu quetschen) und gerät mal eben zu einer Art kleiner "Schnappi"-Sensation und kriegt'n schicken Plattendeal. Tja, und dann kommen die Aasgeier und überrennen den ungeübten Schöngeist. Auch ein Win Butler hat für die zugelassenen Journalisten jeweils nur schlappe zehn Minuten Zeit. Dank des Internet dreht sich der Rock'n'Roll-Zirkus schneller und schneller... Allerdings scheinen The Arcade Fire genug Eigendynamik mitzubringen, dass sie ihrem rasanten Tempo standhalten können und die Orientierung in absehbarer Zeit nicht verlieren.
Ein Geheimnis sind The Arcade Fire wohl nun nicht mehr. Bleibt nur zu wünschen, dass sie ihr Pulver nicht allzu schnell verschießen oder dass sie dem üblen Siechtum des gemeinen Medienverschleißes nicht anheimfallen.
Seid aufmerksam, wenn es im Mai ein Wiedersehen in Berlin geben wird. Auch mal reinhören:
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