Ein unbeschriebenes Blatt in der Szene oder gar Newcomer sind The Deep Eynde (geprochen "The Deep End", was soviel wie "emotional ganz weit unten" oder "abgefuckt" heißt) aus dem sonnigen Los Angeles mit Sicherheit nicht.
Wer die Formation um Sänger und Mastermind Fate Fatal noch von ihrem Debütalbum "City Lights" (Apollyon, 1995) kennt, weiß um die faszinierende und überraschende musikalische Metamorphose der Band vom düster-experimentellen Swing Cabaret-Sound zu einem straighten, rockigen Dark Punk mit Rockabilly-, Death Rock- und Gothic-Anleihen.
Ein Weg, der wohl vor allen Dingen über den mittlerweile nicht mehr aus den Clubs weg zu denkenden Song "Suicide Drive (Dead Alive)" sowie das gleichnamige zweite Album aus dem Jahre 2002 führte und im aktuellen Longplayer "Shadowland" (Rezension in Etoile November 2004), der so etwas wie den lang erhofften und längst verdienten Durchbruch für die Band darstellt, seinen aktuellen Höhepunkt gefunden hat.
Dabei hatte die Band die meiste Zeit ihrer mittlerweile mehr als zehnjährigen Karriere, aufgrund ihres anfangs sehr individuellen, schwer zu kategorisierenden und wenig angepassten Sounds, in der Goth-Szene nie die riesige Anhängerschar oder den vermeintlichen Hype-Status wie London After Midnight, Cinema Strange oder andere Boygroups, doch eine feste und treue Fanbase begleitete die Gruppe über die Jahre hinweg und ermöglichte es, dass The Deep Eynde nach und nach der Ruf einer echten Kultband nacheilte. Etwas, das nicht jeder kannte, aber von dem sich jeder, der es liebte, sicher war, dass es definitiv das Zeug dazu hatte, groß zu werden.
Das nahezu jeder auch professionelle Unterstützung benötigt, um groß zu werden, liegt auf der Hand, blieb aber zumindest dem früheren Label der Band, "Apollyon" aus Kassel, dessen Support-Aktivitäten sich auf das Veröffentlichen der CDs beschränkte, verborgen. Doch nicht zuletzt durch den unermüdlichen Einsatz einiger engagierter DJs weltweit, die vor allem das bereits oben erwähnte "Suicide Drive" und weitere Songs, wie "Hoodoo", "She Likes Skulls" und "13th Floor" zu wahren Tanzflächenfüllern machten, erlangte die Band in den letzten Jahren glücklicherweise einen enormen Popularitätsschub - nicht nur in der Goth- und Death Rock-Szene - und man kam eigentlich nicht mehr drum herum, sich den Namen The Deep Eynde endlich zu merken.
Nicht erst seit diesem Zeitpunkt galten The Deep Eynde in Insiderkreisen bereits als fantastische und einzigartige Live-Band. Klar, dass das Interesse und Verlangen der Fans nach einer Europa-Tour wuchs, die aber lange Zeit aus genannten Gründen scheiterte.
Nun soll endlich alles anders werden und die Zeichen stehen diesmal mehr als gut für die Band. Neuer Sound, neues Label ("People Like You" aus Dortmund), teilweise neues Publikum und endlich (!) im März/April die erste Tour in Deutschland und einigen weiteren europäischen Städten.
Wie nur wenigen Bands, zu nennen seien hier vor allem The Damned, ist es auch TDE gelungen, eine intelligente Mischung aus Düster-Ästhetik und Punk-Attitüde in ihrer Musik zu vereinen und damit verschiedene Zielgruppen anzusprechen, ohne einer dabei vor den Kopf zu stoßen. TDE wissen immer noch sehr wohl, wo ihre Roots liegen und welche Identität sie haben.
Gerade The Damned, deren Weg vom straighten Punk über poppigen Goth/New Wave zurück zum düsteren Punk führte, stellen für Fatal & Co. offenbar einen wichtigen Einfluss dar. Dass die Band jedoch genügend Eigenständigkeit und Witz besitzt, zeigt sich u.a. in ihrer bereits 1997 veröffentlichten Cover-Version des Damned-Songs "Ignite" (vom 82er Album "Strawberries"), der im Original 100% mehr nach den aktuellen The Deep Eynde klingt, als die Cover-Version der Kalifornier.
Selbst mit einem Album wie "Shadowland", das nahezu nichts mehr mit den Anfängen der Band gemein hat und um ein vielfaches zugänglicher und (nicht im negativen Sinne) massenkompatibler ist, werden The Deep Eynde allein aufgrund ihrer Geschichte noch lange Zeit einen besonderen Status in der Szene inne haben. Der hat die Band bisher auch davor bewahrt, in einen Topf mit den in den letzten Jahren wie Unkraut aus den Boden sprießenden, oft drittklassigen Horrorpunk-Bands geworfen zu werden, die sich meist nur auf das Reproduzieren eines Misfits-Songs beschränken, den die Misfits selbst bereits 68 Mal unter anderem Namen veröffentlicht haben.
Auf die anstehenden Konzerte darf man also mehr als gespannt sein, denn zumindest bei ihrem bisher einzigen Europa-Auftritt im letzten Jahr (Zwischenfall/Bochum), haben The Deep Eynde nicht nur mich mit ihrer Darbietung restlos begeistert und es ist davon auszugehen, dass die mittlerweile zum Quintett angewachsene Formation bei dieser Tour noch an Qualität und Ausdrucksstärke gewinnen wird.
The Deep Eynde sind in Berlin am Mittwoch, dem 6. April im Mad ´N´ Crazy live zu sehen. Als Support fungieren an diesem Abend exklusiv New Days Delay ("Tiny Monsters").
The Deep Eynde:
Link
New Days Delay:
Link
Skeletal Remains:
Link