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Letzte Instanz - Wir sind Gold Drakkar/SonyBMG
 Eine der talentiertesten und originellsten Bands Deutschlands drohte einst an einer Folge von unglücklichen Ereignissen zu scheitern... damals... Sängerausstieg und Labelpleite... Was anderen mitunter das Genick gleich mehrfach brach, nutzte die Letzte Instanz zu einer Runderneuerung und zu einer Neuformierung. Mit "Ins Licht" machte die südgermanische Combo zwar nichts grundlegend anderes, bewies aber mit der Wahl ihres neuen Sängers ein äußerst geschicktes Händchen und konzentrierte sich nun vermehrt aufs Songschreiben, denn aufs Anderssein.
Nur ein Jahr nach jenem gelungenem Neustart zeugt das Folgewerk von Reife, Vielfalt und Größe. Besonders im Lyrischen hat die Band eine Stimme und eine Botschaft gefunden, die durch eigenwillige Mixtur aus Streichern und Gitarren perfekt getragen wird. Und so findet die Letzte Instanz nach langem Suchen wohl zu sich selbst. Die Texte jedenfalls künden davon (übrigens schon seit den Anfängen). Die perfekte Produktion tut nun ihr Übriges. Man hört fette Gitarrenriffs ebenso wie Violine und Cello, untermalendes Flüstern aus allen Ecken... auch mal eine Kinderstimme und klassischen Frauengesang.... Großartig transparent und doch druckvoll. Mit "Morgenrot" kriecht gleich zu Beginn des Albums ein Ohrwurm in die neugierigen Lauscher und verbeißt sich darin gnadenlos. Der Text hat den Tiefgang, den ich mir von jeder neuen Hoffnung am schwarzen Himmel, auf den ich Grufti laut Pressetext immer gewartet haben soll, immer vergeblich wünsche. ("Du redest frei und ohne Schuld von Gottes kranken Gaben für Kinder die das Licht der Welt zwar sehn, doch nicht vertragen!") Da heißt es, Lauscher aufsperren, denn die Herren der Letzten Instanz vermögen nicht nur in ihrer musikalischen Originalität zu beeindrucken, nein, sie haben auch etwas zu sagen, da macht es dann auch nichts, daß die folgenden Lieder vereinzelt mehrere Durchläufe brauchen, um eben dieses Suchtverhalten auszulösen... was nicht heißen soll, daß "Wir sind Gold" irgendwie verkopft oder sperrig anmutet, das Album verzichtet nur auf jegliche Effekthascherei, auf jedes "Tralala"... Das "Stimmlein" des neuen Albums ist dann eine (heimliche) Coverversion von "You Chained Me Up" der legendären Inchtabokatables, dem ein neuer deutscher Text verpaßt wurde. Als "Wir sind allein" wird daraus ein Appell an die Vernunft und die Kraft der Gemeinsamkeit. "Komm nicht zurück" fabuliert vom Abschied und vom Schwimmen mit oder gegen den Strom. "Meine innere Stimme" beklagt den Verlust ebendieser, die man als Kind noch kannte.... und ohne die man so blind ist und die Welt so kalt... jener sechste Sinn, den man eben verliert, wenn man nicht auf ihn hört. Und so zieht sich eine lyrische, spirituelle, zuweilen kritische, aber immer differenzierte Weltsicht durch das gesamte Album. Am Ende gereicht die Bandbreite der Darbietung von rifflastigen Metalanleihen bis hin zu reiner Lyrik. Auch balladeske Töne zupfen die Herren mit Bravour und ohne Scheu vor dem Kitsch, der ja schön und bereichernd sein kann, wenn er ein Farbtupfer bleibt. Und bei der Letzten Instanz hört man, auch auf ihrem ersten Album ohne vorherigen Musikerwechsel, wunderbare Töne, die man noch nie zuvor gesehen hat...
V&W
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