15 Jahre Factory
the cat is not even dead


Was machen sechs Studenten und zwei Bänker bloß mit ihrer vielen Freizeit? '91 kam ihnen eine Idee - they invented the factory! Ein Plattenspieler, ein CD-Player, eine Tapedeck, 'n Haufen Vinyl im Schrank und schon war's passiert. Die Freude am Tanzen und Trinken sowie ein paar Anzeigen in tip und zitty - schon war die Indie-Disco schlechthin aus der Taufe gehoben. Der Keller der Kulturfabrik füllte sich ab Herbst 91 von Monat zu Monat. Auch die Furcht vor den finster aussehenden Gestalten, die sich nur mit viel Überwindung trauten, das zweite Bier zu bestellen, schwand allmählich.
Irgendwann, wenn man/frau eine halbe Stunde benötigte, um den Keller zu verlassen, wurde sogar versucht, manche Gäste zu vergraulen… (im dritten Jahr auszugsweise aus Slaughterhouse, 1991)

Als Ende der 80er Jahre das Linientreu, der Club in Berlin, schloss, musste eine Alternative her. Schließlich wollten wir am Wochenende weggehen und unsere Musik hören, tanzen und Freunde treffen…
Früher haben in der ehemaligen Heeresschlachterei Kühe ihren letzen Weg angetreten, nun sollte der Ort Grind heißen, weil er so dreckig und verstaubt war. Er heißt nun Slaughterhouse und wir gewöhnten uns an ein wenig Staub nach der Party in den Klamotten und Haaren, im Morgengrauen, wenn die Vögel in den ersten Kater zwitscherten, wir wieder in den Sonntag entlassen und der blendenden Sonne ausgesetzt wurden… Das Ambiente war einfach und zugleich effektvoll. So wie ein Styroporkopf mit Monstermaske, angeklebten Haaren aus Acrylschaum, der im Lüftungsschacht hing, zeigt. Außerdem gab es einen Gartenzaun zwischen Tanzfläche und Barbereich, der zum Markenzeichen avancierte. Es gab immer mehr Licht, mehr Deko, mehr Sound und eine bessere Getränkeauswahl. Bei der Dekoration waren früher Autoskooter am Start, heute sind es Schaufensterpuppen und Grabsteine.
Was blieb: Gutes Ambiente, schöne Musik und ein volles Haus. Inzwischen sogar benutzbare Toiletten. Sowie die Gäste, die mit uns feierten. Dazwischen duschte ein Punker mit Begeisterung unter einem geplatzten Abwasserrohr und ein Rocker der gegenüberliegenden Kneipe löschte seinen Durst am Hahn hinter der Bar, nicht ohne vorher die Kette dahin mit bloßen Händen zu zerreißen. Die schönste Erinnerung war die Nebelmaschine auf Dauerbetrieb und die Lüftung, welche Luft hineinpustete statt hinaussog. Wie im irischen Moor… Gegruselt haben wir uns trotzdem nicht… Außer vielleicht im nüchternen Zustand vor den Fotos die jemand von uns auf dem Nachhauseweg gemacht haben könnte…
Die Jahre im Keller waren feuchtfröhlich, auch die Crew kann sich nicht mehr an alle Details erinnern. Nur der Glasbruch nach den Parties und die gefunden Dinge unter der Bühne, als uns die Baupolizei den Keller sperrte: String Tangas und Kondome… zeugten von wilden Dingen, die sich zwischen Nebel, lauter Musik und rot-blauem Licht dort zugetragen haben mussten…
Weiter ging es einen Level höher im Urknall der Kulturfabrik, laut, schwarz und schön.
Nun feiern wir das 15. Mal Geburtstag. Wie jedes Jahr gibt es wieder ein Geschenk für die Gäste mit dem Factorylogo. Die Jahre gingen in das Land, mancher ging verloren, manch Neuer kam dazu und engagierte sich, auch die Gäste wechselten, einige oder viele blieben uns treu. Auf die nächsten … 15 Jahre. Prost! Nächstes Jahr dürfen wir Bier trinken…

Feiert mit: 15 Jahre Factory am 25.11.2006 ab 23 Uhr im Theaterdock der Kulturfabrik Lehrter Straße e.V., Lehrter Str. 35, 10557 Berlin-Moabit, Link


priest


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